Call for papers Zeitschrift Umweltpsychologie: Special Issue “Child and Nature”

Planung für Heft 2/2021

Einreichungsfrist/deadline: 30. September 2020

Die Umweltpsychologie befasst sich seit jeher mit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt und umfasst somit ein sehr breites Themenspektrum. In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung zu erholungsfördernden Umwelten zugenommen. Diese entstand vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen, wie z.B. der Verdichtung vieler Städte und der globalen Urbanisierung, die zu einer  Reduktion zugänglicher Grünräume führte, die ideale Erholungsflächen darstellen und zu Bewegung anregen. Derzeit gibt es zahlreiche Studien zum Einfluss natürlicher Umwelten auf den Menschen: hier stand lange Zeit der gesunde erwachsene Mensch im Fokus, erst in den letzten Jahren beschäftigt man sich mit anderen Gruppen, unter anderem auch mit dem Einfluss von Natur auf Kinder, d.h. ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und angeregt durch die Klimaerwärmung, auch ihre Umwelteinstellungen und ihr Umweltverhalten. Vor allem durch populärwissenschaftliche und viel beachtete Bücher, wie Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben und Last Child in the Woods von Richard Louv sind Naturthemen in der Bevölkerung sehr präsent. Letzteres hat auch neue Forschung zu Umwelteinstellungen und Umweltverhalten von Kindern angeregt.

Die Bedeutung von Naturaufenthalten und Naturerfahrungen in der kindlichen Entwicklung wird nicht mehr nur durch die Entwicklungspsychologie wahrgenommen, sondern hat auch wieder Eingang in die Umweltpsychologie sowie in die Planung und Gestaltung von, gerade urbanen, Lebenswelten. Gerade in Bezug auf die kindlichen Lebenswelten spielt neben dem Wegfall erreichbarer Grünräume auch z.B. eine zunehmende Medialisierung, Institutionalisierung und damit Verhäuslichung der Kindheit und eine Reduktion frei verfügbarer Zeiten (ungebundene Freizeit), eine Rolle für den Aufenthalt in der Natur. Während in der Vergangenheit eine Kindheit auf der Straße eher ein Phänomen für einen sozioökonomisch prekären Hintergrund war, so ist eine Kindheit auf der Straße heutzutage eher ein Mittelschichtsphänomen: diese Eltern erkennen, dass das freie Spiel in (geschützten) Draußenräumen eine wichtige Funktion in der Autonomieentwicklung ihrer Kinder spielt und ihre psychische wie motorische Entwicklung maßgeblich positiv beeinflussen kann.

Für das Schwerpunktheft laden wir psychologische oder sozialwissenschaftlich fundierte Beiträge aus benachbarten Wissenschaften und aus relevanten Praxisfeldern ein, die sich  mit Kinder und Jugendlichen beschäftigen und sich zum Beispiel den folgenden Fragen widmen:

  • Welchen Einfluss haben Naturaufenthalte in der Kindheit auf Umwelteinstellungen und Umweltverhalten sowie Environmental Citizenship Behavior (d.h. bürgerschaftliches Engagement in Bezug auf Umwelt)?
  • Welchen Einfluss hat Naturaufenthalt auf Entwicklung, Wohlbefinden und Gesundheit, auf Kinder und Jugendliche sowohl kurz- als auch langfristig? Inwieweit bleibt der Einfluss der Naturerfahrungen in der Kindheit auch im Jugend- und Erwachsenenalter bestehen? Unterscheiden Erwachsene, die in der Kindheit intensiven/zahlreiche Naturerfahrungen machten sich in ihrem Umweltverhalten und Außenraumverhalten von anderen Erwachsenen?
  • Welches sind die relevanten Mechanismen für die Wirkung von Natur? Welche Rolle spielen Faktoren wie Selbstwirksamkeit, die selbstgewählten Aktivitäten im Rahmen des Aufenthalts in der Natur usw.? Welche Rolle spielen institutionalisierte Angebote?
  • Welchen Aufforderungscharakter (Affordances) zeigen unterschiedliche Umwelten für kindliches Spielverhalten und Entwicklung? Wie können kindgerechte Umwelten gestaltet werden?
  • Welche Ansätze gibt es, die sich mit der Wirkung von Natur auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen?
  • Welche Ergebnisse gibt es aus der der Umweltbildung, der Bildung für nachhaltige Entwicklung und aus Citizen Science-Projekten zur Kind-Natur-Interaktion? 

Die Manuskripte durchlaufen das normale Begutachtungsverfahren von Umweltpsychologie. Die Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Es ist möglich, reguläre Artikel oder Kurzberichte einzureichen. Sie müssen spätestens bis zum 30. September 2020 eingereicht werden. Informationen zur Manuskriptgestaltung und die Redaktionsadresse finden Sie hier.

Wir weisen an dieser Stelle explizit darauf hin, dass Sie jederzeit auch zu anderen Themenbereichen Artikel bei der Zeitschrift einreichen dürfen.

Bei inhaltlichen Fragen zum Schwerpunktheft wenden Sie sich bitte vorab an die betreuenden Herausgeber*innen des Schwerpunkts:

Dörte Martens doerte.martens@hnee.de

Nicole Bauer nicole.bauer@wsl.ch

Monika Fikus mfikus@uni-bremen.de (Gastherausgeberin)